Kontext
„Chinesische Mythologie“ bezeichnet einen weiten, sich wandelnden Bestand an Geschichten und keinen abgeschlossenen Kanon. Hofchroniken, daoistische und buddhistische Texte, lokale Kulte, populäre Romane, familiäre Bräuche, Oper, bildende Kunst und regionale mündliche Überlieferungen steuern alle Gestalten zu diesem Feld bei. Ein Wesen kann in einer Quelle als alter Kulturheros erscheinen, in einer anderen als bürokratische Gottheit und in einer dritten als geliebte Gestalt des Festkalenders. Daten und Identitäten verschieben sich, während Geschichten abgeschrieben, kommentiert und weitererzählt werden.
Die in Mythic Dream versammelten Gestalten gehören daher weder einem einzigen historischen Moment noch einer einheitlichen Theologie an. Fuxi und Nüwa tragen sehr alte Assoziationen von Schöpfung und Kulturstiftung; der Jade-Kaiser gehört stark zur himmlischen Bürokratie, wie spätere religiöse und volkstümliche Welten sie sich vorstellten; Guanyin kam über den Buddhismus nach China und entwickelte eigene chinesische Formen; Chang’e, Hou Yi und der Mondhase begegnen einander in einer sich wandelnden Mondtradition. Diese Seite ist ein Weg in jene Beziehungen hinein, kein Ersatz für ihre je eigenen Geschichten.
Nacht, Traum und Tod
Der Nachthimmel misst die Zeit. Mondphasen ordnen Feste und Kalender, während Geschichten von Chang’e, dem Hasen im Mond und Xiwangmus Garten der Unsterblichkeit die Ferne in Sehnsucht und Erneuerung verwandeln. Träume erscheinen zudem quer durch die chinesische Literatur und Philosophie als Proben auf Identität und wache Gewissheit. Diese Themen hängen zusammen, doch kein einzelner „chinesischer Glaube an Träume“ kann für Jahrhunderte vielfältiger Praxis stehen.
Mond, Zeit und Unsterblichkeit
Ein Faden läuft durch sie hindurch: die Arznei der Unsterblichkeit — von Xiwangmu erlangt in der ältesten erhaltenen Fassung, von Chang’e getrunken aus Gründen, über die die Versionen uneins sind, vom Hasen noch immer gestampft und vom Affen aus dem Pfirsichgarten der Königinmutter geraubt.
Schöpfer, Lehrer und der Hof des Himmels
Die, denen man die Gestalt der Dinge zuschreibt — der geflickte Himmel, das geknüpfte Netz und die acht Trigramme — und daneben die geduldige Bürokratie, die sich weit spätere Zeitalter als Verwalterin des Ganzen vorstellten.
Schutz, Erbarmen und das Haus
Die, an die man sich mit einer Bitte wendet — um Erbarmen, um sichere Fahrt über die Meerenge, um ein ruhiges Haus, um Unheil, das an der Tür umkehrt, um einen Marschall an der Spitze der Prozession —, angetroffen in Tempeln, zu Neujahr und neben das Tor geklebt.












