Nahua/Mexica · 7 Min. Lesezeit
Quetzalcoatl und die kostbaren Knochen
Menschliche Überreste, ein gefährlicher Sturz, von Vögeln zerbrochene Knochen und rituelle Blutopfer. Keine drastischen Beschreibungen.
Eine Bitte in Mictlan
Die Götter blickten auf die Erde und fragten, wer sie bewohnen solle. Der Himmel war errichtet, das Land bereit, doch seine Menschen fehlten. Quetzalcoatl, die Gefiederte Schlange, stieg nach Mictlan hinab, ins Reich der Toten. Dort bewachten Mictlantecuhtli und Mictlancihuatl die Knochen früherer Menschen. Diese kostbaren Knochen wollte er in die obere Welt bringen.
Er erklärte sein Anliegen: Die Götter wollten Menschen auf der Erde, deshalb sei er wegen der Knochen gekommen. Mictlantecuhtli fragte, was er damit vorhabe, und stellte eine Aufgabe. Quetzalcoatl solle ein Muschelhorn erklingen lassen und viermal die kostbare Mauer umrunden. Dann dürfe er die Knochen mitnehmen. Doch das übergebene Gehäuse hatte keinen Gang, durch den ein Atemzug einen Ton erzeugen konnte.
Eine Stimme im Gehäuse
Quetzalcoatl rief Würmer herbei. Sie bohrten die fehlende Öffnung. Dann drangen Bienen und Wespen hinein, und endlich erklang das Horn. Mictlantecuhtli hörte es und erlaubte, die Knochen mitzunehmen. Für einen Moment schien der Weg frei. Eine unmögliche Aufgabe war mithilfe kleiner Lebewesen in einem Muschelgehäuse gelöst worden.
Doch Mictlantecuhtli änderte seine Meinung. Seine Diener sollten verlangen, die Knochen zurückzulassen. Quetzalcoatl weigerte sich. Sein nahualli, ein antwortendes anderes Selbst, riet ihm, ihre Rückgabe zu versprechen. Er rief dieses Versprechen, während er den Aufbruch vorbereitete. Die Knochen von Männern und Frauen wickelte er zusammen und begann den Aufstieg mit dem, was er hatte holen sollen.
Das zerbrochene Bündel
Mictlantecuhtli sah die Knochen verschwinden und ließ eine Grube in den Weg graben. Quetzalcoatl stolperte hinein. Wachteln erschreckten ihn, und das Bündel entglitt ihm. Die Vögel pickten die Knochen entzwei. Als er sich gefasst hatte, sah er, was aus den sorgsam gesammelten Überresten geworden war. Er weinte und fragte seinen nahualli, was nun aus ihrer Arbeit werden solle.
Die Stimme räumte ein, dass es schlecht gelaufen sei. Sie müssten mit dem weitermachen, was geblieben war. Quetzalcoatl beugte sich hinab und sammelte die Bruchstücke. Es waren nicht mehr die ganzen Knochen aus Mictlan, doch er gab sie nicht auf. Er wickelte sie erneut ein und trug sie nach Tamoanchan. Die Reise hatte seine Last verändert, aber er legte sie nicht ab.
Die Jadeschale
In Tamoanchan nahm Quilaztli, auch Cihuacoatl genannt, die Knochen entgegen. Sie zermahlte sie und legte das Pulver in eine Jadeschale. Die Überreste aus der Unterwelt wurden für einen neuen Anfang vorbereitet. Quetzalcoatl opferte über der Schale eigenes Blut. Auch andere Götter vollzogen ein rituelles Blutopfer. Der Bericht nennt diese Handlungen Buße: eine bewusste Gabe, durch die menschliches Leben beginnen konnte.
Aus den kostbaren Knochen und der göttlichen Gabe entstanden die Menschen der gegenwärtigen Welt. Quetzalcoatl hatte die früheren Menschen nicht unverändert zurückgebracht. Ihre Überreste waren Teil einer neuen Schöpfung geworden. Auch hatte er nicht allein gehandelt: Würmer, Bienen, Wespen, sein nahualli, Quilaztli und die Götter gehörten dazu. Nun stellte sich die nächste Frage. Was sollten die Menschen essen?
Nahrung für die neuen Menschen
Eine Ameise wusste, wo Mais verborgen lag: im Berg Tonacatepetl. Quetzalcoatl fragte beharrlich nach der Herkunft des Korns, bis sie ihm den Ort zeigte. Er verwandelte sich in eine schwarze Ameise und folgte ihr hinein. Gemeinsam holten sie Mais heraus, den er nach Tamoanchan brachte. Die Götter kauten die Körner und legten die Nahrung in die Münder der neuen Menschen, die dadurch kräftiger wurden.
Im Berg lag noch mehr Nahrung. Quetzalcoatl versuchte, ihn mit Seilen fortzutragen, doch er war zu schwer. Nach einer Weissagung wurde Nanahuatl gerufen, um ihn zu spalten. Die Regengötter sammelten den freigelegten Mais und die übrigen Nahrungspflanzen. Die Arbeit, die mit dem Abstieg nach Mictlan begonnen hatte, war bei den Mahlzeiten der Lebenden angekommen. Die Knochen waren geborgen, die Menschen geschaffen, und nun gab es Korn für sie.
Über diese Erzählung
Die nahuatlsprachige Legende der Sonnen von 1558, Absätze 20–35
Diese Bearbeitung folgt der Legende der Sonnen und führt kurz in die anschließende Suche nach Mais. Der nahualli bleibt ein anderes Selbst und wird nicht mit Xolotl gleichgesetzt. Die gewählte Übersetzung beschreibt Quetzalcoatl nach dem Sturz als beinahe tot vor Schreck; andere weichen ab. Eine Erklärung unterschiedlicher Körpergrößen durch gebrochene Knochen wird nicht hinzugefügt. Rituelle Blutopfer bleiben ohne anatomische Einzelheiten erhalten.
Versionshinweis
Im September 2026 in Codex neu geschrieben, übersetzt und anhand von Quellen geprüft. Dies ist eine KI-gestützte redaktionelle Überarbeitung, keine zertifizierte Prüfung durch Fachleute oder Muttersprachler.
Quellen
Diese Quellen liegen der Nacherzählung zugrunde. Der Text wurde für Mythic Dream geschrieben.
- The Legend of the Suns, paragraphs 20–35 — Anonymous Nahua author; English translation by Jason Colavito, The Jason Colavito Library
Die Nahuatl-Erzählung von 1558 über Knochen, Muschelhorn, Grube und rituelle Gaben, gefolgt von der Maisgeschichte. Menschliche Körpergröße wird darin nicht mit gebrochenen Knochen erklärt.
